AJ-Horn 7.0

aj hornArmin Jost zeigt auch bei der Version 7.0, dass eine neue Version immer noch viel besser sein kann als der Vorgänger. Wir haben für euch das Programm genauer angesehen und werden ein paar Artikel zu AJ-Horn veröffentlichen.

Was ist NEU in AJ-Horn 7.0?

Der neue graphische Aufbau ist uns als Erstes aufgefallen. In der Version AJ-Horn 6.0 haben wir in einem großen Fenster gearbeitet und wir konnten die einzelnen Reiter in diesem Hauptfenster verschieben.

aj horn 7 0 aufrufen sw275bd02 01In AJ-Horn 7.0 sind wir frei von Begrenzungen. Wir können jeden Reiter von AJ-Horn 7.0 frei auf unserem Desktop verschieben. Auch eine Monitor übergreifende Anordnung ist möglich. Also, auf einem Monitor die Eingabe und auf dem zweiten Monitor alle Simulationsergebnisse.

aj horn 7 0 aufrufen sw275bd02 prinzipskizze
Die Darstellung von Gehäusen ist auch besser geworden. Wir sehen das Gehäuse schon bei der Eingabe von den Parametern als verhältnisbezogene Prinzipskizze. In unserem Beispiel ist der Bassreflexkanal außerhalb vom Gehäuse. Mit dieser Darstellung können wir die Änderungen der Abstimmung und der Anordnung vom Bassreflexkanal sehen. Dadurch wird die Arbeit mit AJ-Horn 7.0 noch intuitiver. Wir können die Wechselwirkung von Treiber, Gehäuse und Bassreflextunnel noch genauer untersuchen und die Position optimieren. Die visuelle Rückmeldung vereinfacht die Optimierung mit den vielen Parametern, die uns AJ-Horn 7.0 zur Verfügung stellt.

aj horn 7 0 aufrufen sw275bd01Um viele wichtige Details beleuchten zu können, werden wir als Erstes ein Bassreflexgehäuse berechnen. AJ-Horn 7.0 kann auch Daten aus den alten Versionen übernehmen und somit lade wir den Wavecor SW275BD01 als Chassis in die Treibermaske. Wie erwartet, werden die Daten vom Chassis übernommen und wir können mit der Simulation loslegen. In dem Reiter für den Treiber (Chassis) ist alles wie gewohnt. Wechseln wir also zum Reiter für das Horn (Gehäuse).

Aber halt, die Oberfläche im Horn-Reiter hat sich verändert und die gewohnten Parameter finde ich nicht. Naja, Handbuch öffnen und nachlesen. Nach kurzem Suchen, habe ich den Bereich gefunden, in dem die Simulation von einem Bassreflexgehäuse beschrieben wird. Alles ist neu und die Möglichkeiten scheinen unendlich. Nach einem Kaffee und etwas einlesen verstehe ich die drei unterschiedlichen Ansätze der Bassreflexsimulation und entscheide mich für die dritte Variante. Ich mache euch eine 3D-Skizze von einem Gehäuse und setze den Treiber ein, damit wir Simulation und Umsetzung vergleichen können.

Simulation von einem Bassreflexgehäuse

Geben wir im ersten Schritt dem Kind einen Namen. Wie nennt man einen Subwoofer? Naja, bei dem Chassis von Wavecor muss ich an einen Gott denken und bei dem Hub von ±16 mm muss ich an einen Föhn oder an Wind (vielleicht auch Sturm) denken. Jetzt schauen wir auf die alten Götter und da finden wir den Gott des Windes. Amun ist in der ägyptischen Mythologie zu Beginn der Gott des Windes und macht anschließend eine steile Karriere bis zum Gipfel, als König der Götter. Also ich finde die Narration (Story) passt ganz gut zu unserem Beispiel. Also, nenne ich den Subwoofer Amun, König der Subwoofer ;-) .

Das Wavecor Chassis SW275BD01 ist ein 275 mm durchmessender Supersportler mit tollen Werten für einen extremen Subwoofer. Somit öffne ich den Horn-Reiter in AJ-Horn 7.0 und überlege mir:

  • Wie hoch sollte der Subwoofer sein?
  • Wie tief sollte der Subwoofer sein?
  • Wie breit sollte der Subwoofer sein?
  • Was für einen Konstruktion soll es werden? Bassreflex? Geschlossen? An die Wand?
  • Wie viel Volumen braucht das Chassis um richtig tief spielen zu können?
  • Welche Anwendungsfelder soll der Subwoofer abdecken? Stereo? Kino? usw.
  • Welchen Verstärker verwenden wir?

Die Abmessungen vom Gehäuse 

aj horn 7 0 amun h b tBereich Horn (im Reiter Horn)

aj horn 7 0 6 bereicheBei den zuvor aufgeführten Fragen habe ich mit der Höhe vom Subwoofer begonnen. Also, wie hoch sollte der Subwoofer werden? 60 bis 70 cm Höhe ist prima, um noch einen Lautsprecher (MTM) auf den Subwoofer stellen zu können. Also Füttern wir AJ-Horn im gelben Bereich (siehe rechtes Bild) mit L = 65 cm Höhe. Im linken Bild könnt ihr die Höhe L in Grün hinterlegt sehen. Bitte darauf achten, dass ihr den Wert in Metern eingeben müsst. Also, 0,65 Meter eingeben!

Die zweite Frage in meiner Liste bezog sich auf die Tiefe. Wie Tief darf unser Amun Subwoofer werden? Für meinen Geschmack sollte ein Subwoofer unter 50 cm Tiefe haben. Somit habe ich in diesem Beispiel 40 cm eingegeben. Diesen Wert H habe ich mit Gelb hinterlegt. Wichtig! Die Tiefe wird in Zentimeter angegeben.

Die dritte Frage war nach der Breite. Also unser Chassis hat einen Durchmesser von 275 mm. Damit ich alles im Kopf rechnen kann, entscheide ich mich für 30 cm Breite. Der Wert B ist die Breite in meinem Beispiel (im linken Bild blau hinterlegt). Wichtig! Die Angaben in AJ-Horn beziehen sich auf das Innenvolumen, d. h. ihr müsst bei der Gehäusezeichnung die Wandstärke dazu addieren. Auch Volumen für Chassis und Verstärker (Kammer) müssen vom Gesamtvolumen abgezogen werden.

Somit haben wir die Gehäuseabmessungen:

Breite 30 cm + 19 mm + 19 mm = 33,8 cm

Höhe 65 cm + 19 mm + 19 mm = 68,8 cm

Tiefe 40 cm + 25 mm +19 mm = 44,4 cm (Hier kommen noch ein paar Zentimeter dazu, für das Volumen der Kammer vom Verstärker, vom Chassis, der Versteifungen und dem Bassreflexrohr).

Damit bei der Prinzipskizze ein schönes Gehäuse angezeigt wird, müsst ihr den Wert AH berechnen.

H × B = AH

Höhe × Breite = AH (cm²)

Das Gehäuse muss auf Rearloaded Horn eingestellt sein! Sonnst berechnet ihr einen Bandpass Subwoofer.

Das Bassreflexrohr

AJ-Horn bietet verschiedene Möglichkeiten für die Simulation von Bassreflexrohren. Ich entscheide mich für die Variante mit dem externen Rohr.

aj horn 7 0 amun brIch bin ein Freund von Bassreflexgehäusen. Warum? Es ist für mich der beste Kompromiss aus Effizienz und Klang. Wir verwenden die rückwärtig abgestrahlte Energie von der Membran durch das Rohr für die Wiedergabe tiefer Töne und haben somit eine niedrige untere Grenzfrequenz. Die bösen Geschichten über das arme Bassreflexgehäuse beruhen zum Großteil auf Raummoden. Diese Diskussion ist aber einen ganz andere Story.

Der Horn Reiter ist in 6 Bereiche aufgeteilt. Im rechten Bild habe ich aj horn 7 0 6 bereichedie verschiedenen Bereiche mit einem farbigen Rahmen nachgezeichnet. Für das Bassreflexrohr interessiert uns der pinke Bereich mit der Überschrift -Extratunnel-.

Einstellungen für Extratunnel

Der erste Schritt ist den Extratunnel zu aktivieren mit einem Hacken in dem Feld -mit ET-.

ET

ET = Extratunnel

AET

AET = Fläche der Bassreflexöffnung

Ich habe in unserem Beispiel 78 cm² gewählt. Das ist annähernd der Flächeninhalt von einem Kreis mit 100 mm Durchmesser. Dieser Wert entspricht einem HP100 Bassreflexrohr. Man kann aber auch einen rechteckigen Kanal bauen, der von den Abmessungen so gewählt wird, dass ein ähnlicher Flächeninhalt entsteht.

Beispiel:

A = Flächeninhalt

r = Radius (r= D/2 D = Durchmesser) in unserem Beispiel hat ein Bassreflexrohr HP100 einen Durchmesser von 10 cm und somit brauchen wir 5 cm Radius für unsere Formel für den Flächeninhalt von einem Kreis

π = Kreiszahl = 3,14... ist eine Zahl die das Verhältnis zwischen Durchmesser (Radius) und Umfang herstellt

A = π × r²

A = 3,14... × 5² = 3,14... × 25 = 78,5

Flächeninhalt von einem Rechteck

A = H × B

H = Höhe vom Bassreflexkanal

B = Breite vom Bassreflexkanal

A = 19,75 cm × 4 cm = 79 cm²

LET

LET= Länge vom ExtraTunnel

Wichtig bei der Eingabe von der Länge ist, dass der Wert in Metern angegeben wird, d. h.  in unserem Beispiel 0,56 Meter für 56 Zentimeter!

xET

xET = Possition Bassreflexkanal

Hier kann der Abstand von der Front bis zum Bassreflextunnel eingestellt werden. Auch hier muss darauf geachtet werden, dass der Wert in Metern eingegeben wird. In unserem Beispiel habe ich 0,2 Meter gewählt. Simulation haben aber gezeigt, dass der Einfluss der Position vom Bassreflexrohr bei dieser Konstruktion gering ist.

ßET

ßET = Dämpfungskoeffizient vom Bassreflextunnel bzw. Bassreflexrohr

Der Dämpfungskoeffizient ist für die Verluste im Rohr bzw. Tunnel zuständig. Mit diesem Wert kann man also auch die Dämmung in einem Rohr simulieren.

Beispiel:

0 = keine Verluste bzw. Dämmung

1000 = maximale Verluste bzw. Dämmung (in der Realität ist das eine Matte Sonofil in das Rohr gestopft).

Bei dem Amun Subwoofer habe ich auf die Dämmung im Rohr verzichtet.

Amun Gehäuse

amun seitenansicht offen grossIm linken Bild könnt ihr den Aufbau vom Amun Subwoofer sehen. Im unteren rechten Bereich ist der Verstärker mit einer eigenen Kammer. In der Mitte ist das Bassreflexrohr. Als Verlängerung für den Bassreflexkanal habe ich ein DN 110 Rohr aus dem Baumarkt verwendet. Links ist der SW275BD01 von Wavecor zu sehen.

Ich wollte euch aber hier mehr Deteils zum Gehäuse im Bezug auf AJ-Horn 7.0 erläutern. In meiner Skizze bei AJ-Horn habe ich die Abmessungen vom Gehäuse auf die Form von meinem realen Gehäuse angepasst. Das Bassreflexrohr ist bei mir im Gehäuse und ich habe das Verdrängungsvolumen vom Rohr zu dem Gehäusevolumen addiert. Somit ist mein simuliertes Gehäuse ganz dicht an der Realität.

amun aj horn version gross

In den zwei Bildern auf der rechten Seite, könnt ihr die Prinzipskizze von AJ-Horn 7.0 sehen und die nachgestellte Version, wenn man das Gehäuse in der Ralität genau so bauen würde wie in der AJ-Horn Skizze.

Bei den Messungen der Frequenzgänge mit Bassreflexrohr im Gehäuse bzw. außerhalb vom Gehäuse gibt es kaum einen Unterschied zwischen den Messergebnissen. Zur Messung vom Subwoofer kommen wir aber später in einem anderen Artikel (Clio Pocket).